High End Raumakustik – der Raum ist Teil der HiFi-Anlage
Wer sich ernsthaft mit hochwertiger Musikwiedergabe beschäftigt, kommt an einem Thema nicht vorbei: der Raumakustik.
Lautsprecher, Verstärker, Streamer, DAC und Kabel können noch so sorgfältig ausgewählt sein – am Ende spielt die gesamte Anlage immer in einem realen Raum. Und dieser Raum ist akustisch keineswegs neutral. Wände, Boden, Decke, Fenster, Möbel, Raumabmessungen, Lautsprecherposition und Hörplatz verändern das Schallfeld zum Teil erheblich.
Gerade bei einer hochwertigen High-End-Anlage geht es deshalb irgendwann nicht mehr nur darum, welche Komponente noch etwas besser sein könnte. Die entscheidende Frage lautet vielmehr: Wie viel von dem, was die Anlage tatsächlich kann, kommt am Hörplatz überhaupt an?
Eine gute Raumakustik sorgt nicht dafür, dass ein schlechter Lautsprecher plötzlich hervorragend spielt. Sie sorgt aber dafür, dass ein guter Lautsprecher seine Qualitäten nicht gegen Dröhnen, Auslöschungen, Reflexionen und unnötig lange Ausschwingvorgänge verteidigen muss.
Aber wie die Raumakustik verbessern?
Der Raum hört immer mit
Am Hörplatz erreicht uns zunächst der Direktschall des Lautsprechers. Kurz darauf folgen Reflexionen von Boden, Seitenwänden, Decke, Rückwand und Einrichtungsgegenständen.
Diese reflektierten Schallanteile überlagern sich mit dem Direktschall. Abhängig von Frequenz, Laufzeit, Pegel und Phase können sie sich gegenseitig verstärken oder abschwächen.
Im Tieftonbereich kommt ein weiterer Effekt hinzu: Die Wellenlängen werden so groß, dass der gesamte Raum angeregt wird und sich ausgeprägte Resonanzen bilden können.
Das Resultat kann man deutlich hören:
- überbetonter oder dröhnender Bass
- fehlender Bass bei einzelnen Frequenzen
- schlechtes Ausschwingverhalten
- unsaubere Stimmen
- harte oder aggressive Höhen
- instabile Phantommitte
- ungenaue Ortung von Instrumenten
- geringe Tiefenstaffelung
- eine Bühne, die an den Lautsprechern klebt
- fehlende Ruhe und Selbstverständlichkeit
Besonders tückisch: Solche Probleme werden häufig zunächst der Anlage zugeschrieben. Dann werden Verstärker, DACs oder Kabel gewechselt, obwohl die eigentliche Ursache zwischen Boden, Decke und vier Wänden liegt.
Der Bass – hier bestimmt der Raum besonders stark mit
Die größten akustischen Probleme normaler Wohn- und Hörräume liegen fast immer im Bass- und unteren Grundtonbereich.
Der Grund dafür sind die großen Wellenlängen tiefer Frequenzen. Bei einer Schallgeschwindigkeit von ungefähr 343 m/s beträgt die Wellenlänge bei 100 Hz rund 3,4 Meter, bei 50 Hz bereits knapp 6,9 Meter und bei 30 Hz mehr als 11 Meter.
Diese Dimensionen liegen unmittelbar im Bereich typischer Wohnräume.
Raummoden – wenn der Raum seine eigenen Töne hinzufügt
Zwischen den Begrenzungsflächen eines Raumes entstehen Resonanzen, sogenannte Raummoden. Besonders ausgeprägt sind zunächst die axialen Moden zwischen jeweils zwei gegenüberliegenden Flächen:
- Vorder- und Rückwand
- linker und rechter Seitenwand
- Boden und Decke
Hinzu kommen tangentiale und schräge Moden, an denen mehrere Raumbegrenzungen beteiligt sind.
Die grundlegende axiale Resonanz zwischen zwei parallelen Flächen lässt sich näherungsweise berechnen:
f = c / (2 × L)
Bei einer Raumlänge von 5 Metern liegt die erste Längsmode damit bei ungefähr 34 Hz. Weitere Resonanzen entstehen bei ganzzahligen Vielfachen dieser Frequenz.
Entscheidend ist allerdings nicht nur, welche Moden vorhanden sind, sondern wie stark sie durch Lautsprecher und Hörplatz angeregt beziehungsweise wahrgenommen werden.
Warum der Bass einen Meter weiter völlig anders sein kann
Eine stehende Welle besitzt Bereiche hohen Schalldrucks und Bereiche mit deutlicher Auslöschung. Deshalb kann ein Bass an einer Position massiv erscheinen und wenige Schritte weiter plötzlich deutlich schwächer sein.
Wer einen Hörraum beurteilen möchte, sollte deshalb einmal während einer bassreichen Aufnahme langsam durch den Raum gehen. Häufig erlebt man dabei erstaunliche Unterschiede.
Ein anderer Verstärker verändert daran praktisch nichts. Eine andere Position von Lautsprecher oder Hörplatz dagegen sehr wohl.
Die Übergangsfrequenz – zwei akustische Bereiche in einem Raum
Kleine Räume verhalten sich im tiefen Bass anders als im Mittel- und Hochtonbereich.
Unterhalb der sogenannten Schroeder- beziehungsweise Übergangsfrequenz sind einzelne Raumresonanzen deutlich voneinander unterscheidbar. Oberhalb dieses Bereiches liegen die Moden zunehmend dichter beieinander und das Schallfeld verhält sich statistischer.
Die Übergangsfrequenz hängt insbesondere von Raumvolumen und Nachhallverhalten ab und liegt in normalen Wohn- und Hörräumen häufig grob im Bereich zwischen etwa 100 und 300 Hz.
Daraus folgt eine wichtige Erkenntnis:
- Im Bass behandeln wir vor allem Moden, Positionen, Druckverteilung und Ausschwingverhalten.
- Im Mittel- und Hochton geht es stärker um Reflexionen, Nachhall, Abstrahlverhalten und das Verhältnis zwischen Direkt- und Diffusschall.
Genau deshalb funktioniert Raumakustik nicht nach dem Prinzip „möglichst viel Schaumstoff an die Wand“.
SBIR – wenn die Wand den Frequenzgang verändert
Neben Raummoden gibt es einen weiteren wichtigen Effekt: Speaker Boundary Interference Response, kurz SBIR.
Schall gelangt nicht nur direkt vom Lautsprecher zum Hörplatz, sondern wird beispielsweise auch von der Wand hinter dem Lautsprecher reflektiert. Beide Schallanteile treffen mit unterschiedlicher Laufzeit wieder zusammen.
Je nach Phasenlage kommt es zu Verstärkung oder Auslöschung.
Dadurch können sehr deutliche Einbrüche im Frequenzgang entstehen, obwohl Lautsprecher und Elektronik technisch vollkommen in Ordnung sind.
Auch Boden- und Seitenwandreflexionen können ähnliche Interferenzen verursachen.
Warum man tiefe Auslöschungen nicht einfach hochregeln sollte
Genau hier liegen die Grenzen elektronischer Korrekturen.
Entsteht ein tiefer Frequenzeinbruch durch destruktive Interferenz, ist eine massive Anhebung mit dem Equalizer meist keine elegante Lösung. Man erhöht Verstärkerleistung und Membranhub, ohne die physikalische Ursache zu beseitigen.
Häufig ist es wesentlich sinnvoller, Lautsprecher oder Hörplatz zu verschieben.
Ein Peak lässt sich elektronisch häufig gut reduzieren. Ein tiefes akustisches Loch sollte man zunächst geometrisch lösen.
Aufstellung – die preiswerteste Raumakustik überhaupt
Bevor wir über Absorber, Diffusoren oder DSP sprechen, sollte die Aufstellung stimmen.
Betrachtet werden unter anderem:
- Abstand der Lautsprecher zur Wand hinter ihnen
- Abstand zu den Seitenwänden
- Abstand der Lautsprecher untereinander
- Entfernung zum Hörplatz
- Einwinkelung
- Höhe der akustischen Achse
- Position des Hörplatzes im Raum
- Symmetrie der linken und rechten Raumhälfte
Schon Veränderungen von wenigen Zentimetern können im Mittel- und Hochton relevant sein. Im Bass können Verschiebungen um 20, 30 oder 50 Zentimeter einen überraschend großen Unterschied erzeugen.
Feste Regeln wie „Lautsprecher immer genau einen Meter von der Wand entfernt“ oder mathematische Aufstellungsformeln können Ausgangspunkte sein, ersetzen aber keine Messung und Hörkontrolle im konkreten Raum.
Der Hörplatz ist genauso wichtig wie die Lautsprecherposition
Viele beschäftigen sich intensiv mit der Position ihrer Lautsprecher – und stellen den Hörsessel anschließend dorthin, wo er optisch am besten passt.
Akustisch kann das ein Fehler sein.
Besonders ein Hörplatz unmittelbar vor einer massiven Rückwand führt häufig zu starkem Bassdruck und sehr frühen Reflexionen. Auch bestimmte Positionen in der Raummitte können ungünstige Modenverteilungen erzeugen.
Deshalb optimieren wir Lautsprecher und Hörplatz grundsätzlich als gemeinsames System.
Der richtige Lautsprecher für den richtigen Raum
Raumakustik beginnt bereits bei der Auswahl des Lautsprechers.
Dabei geht es nicht nur um Größe und Bassvermögen. Ein wesentliches Merkmal ist das Abstrahlverhalten.
Ein Lautsprecher erzeugt schließlich nicht nur Schall exakt nach vorne. Er gibt Energie auch seitlich, nach oben und nach unten ab. Diese Energie trifft auf die Raumbegrenzungen und wird Teil des wahrgenommenen Klanges.
Breit abstrahlende Systeme regen den Raum anders an als stärker bündelnde Konstruktionen. Hörner, Waveguides, Koaxialsysteme, klassische Direktstrahler, Dipole oder Elektrostaten stellen deshalb jeweils unterschiedliche Anforderungen an Aufstellung und Raum.
Das Verhalten außerhalb der Hauptachse
Für eine hochwertige Musikwiedergabe ist deshalb nicht nur der Frequenzgang exakt vor dem Lautsprecher interessant.
Entscheidend ist auch, wie gleichmäßig sich der Frequenzgang außerhalb der Achse verändert. Problematische Übergänge zwischen Tieftöner, Mitteltöner und Hochtöner können zu einem unausgewogenen Energiefrequenzgang im Raum führen.
Ein guter Lautsprecher und ein guter Raum sollten deshalb nicht gegeneinander arbeiten.
Frühe Reflexionen – Ortung, Bühne und Klangfarbe
Kurz nach dem Direktschall erreichen Reflexionen von Seitenwänden, Boden und Decke den Hörplatz.
Diese frühen Reflexionen liegen zeitlich so dicht am Originalsignal, dass unser Gehör sie nicht einfach als separaten Hall wahrnimmt. Sie beeinflussen vielmehr die wahrgenommene Klangfarbe, räumliche Abbildung und Präzision.
Zu starke oder stark unsymmetrische frühe Reflexionen können zu folgenden Effekten führen:
- unscharfer Phantommitte
- zu großen Stimmen
- schwammiger Instrumentenortung
- geringerer Tiefenstaffelung
- einem nervösen oder aggressiven Klangbild
Die Spiegelmethode
Ein klassischer Weg, erste seitliche Reflexionspunkte zu bestimmen, ist die Spiegelmethode: Dort, wo man vom Hörplatz aus im Spiegel an der Seitenwand den Lautsprecher sehen kann, befindet sich näherungsweise ein erster Reflexionspunkt.
Das ist als praktische Orientierung hilfreich. Bei einer ernsthaften Planung betrachten wir jedoch zusätzlich Messung, Lautsprecherdirektivität und tatsächliche Raumgeometrie.
Nicht jede Reflexion muss verschwinden
Einer der häufigsten Fehler bei Raumakustik ist die Annahme: Je weniger Reflexionen, desto besser.
Das stimmt so nicht.
Ein guter Hörraum soll nicht wie ein schalltoter Raum funktionieren. Musikwiedergabe benötigt ein sinnvolles Verhältnis von direkter und reflektierter Energie.
Reflexionen können – wenn sie ausreichend kontrolliert und gleichmäßig sind – sogar zum Eindruck von Räumlichkeit und Größe beitragen.
Deshalb gibt es keine allgemeingültige Vorschrift, nach der beispielsweise jede erste Seitenwandreflexion vollständig absorbiert werden muss.
Die richtige Lösung hängt von Lautsprecher, Abstrahlverhalten, Raumgröße, Hörentfernung und gewünschter Wiedergabecharakteristik ab.
Professionelle Raumakustik bedeutet nicht, Reflexionen zu vernichten. Sie bedeutet, sie zu kontrollieren.
Absorption – gezielt Schallenergie reduzieren
Akustische Absorber reduzieren reflektierte Schallenergie. Entscheidend ist dabei allerdings, in welchem Frequenzbereich sie tatsächlich wirksam sind.
Dünne Schaumstoff- oder Filzelemente absorbieren vor allem höhere Frequenzen. Im Bass und häufig auch im unteren Grundton passiert dagegen erstaunlich wenig.
Wird ein Raum mit großen Mengen dünner Absorber ausgestattet, kann deshalb genau das falsche Ergebnis entstehen:
Der Hochton wird matt und leblos, während der Bass weiterhin dröhnt.
Ein solcher Raum ist nicht gut bedämpft – er ist lediglich unausgewogen bedämpft.
Breitbandabsorber
Hochwertige Breitbandabsorber besitzen ausreichend Bautiefe und eine geeignete Materialstruktur. Ein zusätzlicher Abstand zur Wand kann ihre Wirksamkeit zu tieferen Frequenzen erweitern.
Typische Einsatzbereiche sind:
- frühe Reflexionspunkte
- Deckenspiegel
- Rückwandbereiche
- größere problematische Reflexionsflächen
Entscheidend bleibt auch hier die Position. Drei richtig platzierte Elemente können akustisch sinnvoller sein als zehn wahllos verteilte.
Bassabsorber – Physik braucht Platz
Je tiefer die Frequenz, desto schwieriger wird die Absorption.
Einen ausgeprägten Problembereich bei 40 oder 50 Hz behandelt man nicht mit einer fünf Zentimeter dicken Akustikplatte.
Wirkungsvolle Tieftonabsorption benötigt entweder erhebliches Volumen oder gezielt abgestimmte Resonanzsysteme.
Poröse Bassabsorber
Großvolumige poröse Absorber wirken vergleichsweise breitbandig. Sie werden häufig in Raumecken, an Wand-Decken-Übergängen oder großflächig in dafür vorgesehenen Konstruktionen eingesetzt.
Membran- und Plattenabsorber
Membran- und Plattenabsorber können gezielt auf tiefe Frequenzbereiche abgestimmt werden. Sie sind besonders interessant, wenn einzelne Raumresonanzen behandelt werden sollen und für sehr große poröse Absorber nicht genügend Platz zur Verfügung steht.
Dafür verlangen sie eine sinnvolle Berechnung und Abstimmung.
Helmholtz-Resonatoren
Auch Helmholtz-Resonatoren können bestimmte tieffrequente Probleme gezielt reduzieren. Resonanzfrequenz und Wirkungsbereich werden unter anderem durch Volumen, Öffnung und Geometrie bestimmt.
Solche Systeme sind keine Universalabsorber. Richtig berechnet können sie jedoch ausgesprochen effektiv sein.
Diffusion – Schallenergie erhalten und verteilen
Ein Diffusor verfolgt einen anderen Ansatz als ein Absorber.
Statt Schallenergie möglichst vollständig zu reduzieren, wird die Reflexion räumlich verteilt. Dadurch bleibt ein Teil der Lebendigkeit des Raumes erhalten, ohne dass eine einzelne harte Reflexion dominiert.
Besonders in hochwertigen Hörräumen kann gut eingesetzte Diffusion eine sehr natürliche räumliche Wirkung erzeugen.
Ein Diffusor ist nicht einfach eine unregelmäßige Holzplatte
Professionelle Diffusoren können auf mathematisch definierten Strukturen basieren. Bekannte Prinzipien sind beispielsweise QRD- und PRD-Diffusoren sowie zweidimensionale Strukturen.
Die Abmessungen und insbesondere die Tiefe der einzelnen Strukturen bestimmen dabei, in welchem Frequenzbereich eine sinnvolle Streuung stattfinden kann.
Ein wenige Zentimeter tiefes Dekoelement kann bei tiefen Frequenzen deshalb keine Wunder vollbringen.
Diffusion benötigt Abstand
Auch der Abstand zwischen Diffusor und Hörplatz ist entscheidend. Sitzt man unmittelbar vor einer stark strukturierten Fläche, hat sich das gewünschte diffuse Schallfeld noch nicht sinnvoll ausgebildet.
Diffusortyp, Abmessung, Frequenzbereich und Hörentfernung müssen zusammenpassen.
Die Wand hinter dem Hörplatz
Die Rückwand ist in vielen Hörsituationen besonders kritisch.
Sitzt der Hörplatz dicht davor, erreichen starke Reflexionen das Ohr mit nur sehr geringer Verzögerung. Gleichzeitig herrscht an festen Raumbegrenzungen häufig hoher Tieftondruck.
Abhängig von Raum und Abstand können hier Absorption, Diffusion oder kombinierte Lösungen sinnvoll sein.
Bei sehr geringem Hörabstand zur Wand ist eine wirkungsvolle Absorption häufig sinnvoller als ein tiefer Diffusor.
Die Decke – eine riesige Reflexionsfläche
Die Decke wird erstaunlich häufig vergessen.
Dabei handelt es sich um eine der größten zusammenhängenden Reflexionsflächen des gesamten Raumes.
Gerade in modernen Wohnräumen mit Parkett, großen Glasflächen und glatten Decken können akustische Deckenelemente oder Deckensegel ausgesprochen wirkungsvoll sein.
Sie können frühe vertikale Reflexionen reduzieren und gleichzeitig den Nachhall im Mittel- und Hochtonbereich kontrollieren.
Auch die Einrichtung gehört zur Raumakustik
Ein Hörraum besteht natürlich nicht nur aus speziellen Akustikelementen. Auch Teppiche, Vorhänge, Polstermöbel, Bücherregale, Pflanzen und andere Einrichtungsgegenstände beeinflussen das akustische Verhalten deutlich.
Ein Teppich reduziert vor allem Reflexionen im Mittel- und Hochtonbereich. Schwere, großzügig gefaltete Vorhänge können große Glasflächen akustisch entschärfen. Sofas und andere Polstermöbel absorbieren ebenfalls Schallenergie, während Bücherregale, Möbel und größere Pflanzen glatte Reflexionsflächen aufbrechen und den Schall teilweise streuen.
Gerade in Wohnräumen lässt sich damit oft schon eine erstaunlich angenehme Grundakustik erreichen. Solche Maßnahmen ersetzen jedoch keine gezielte Tieftonbehandlung: Ein Teppich, ein Vorhang oder eine große Zimmerpflanze löst keine ausgeprägte 40-Hz-Raummode.
Nachhallzeit – mehr als eine einzelne Zahl
Die Nachhallzeit beschreibt vereinfacht, wie schnell Schallenergie nach dem Verstummen einer Schallquelle im Raum abnimmt.
Bekannt ist insbesondere die RT60 – die theoretische Zeit für einen Pegelabfall um 60 dB.
In kleinen Hörräumen wird in der Praxis häufig mit daraus abgeleiteten Größen wie T20, T30 oder EDT gearbeitet, weil ein sauber messbarer Abfall über volle 60 dB nicht immer zur Verfügung steht.
Wichtiger als ein einzelner Durchschnittswert ist jedoch der Verlauf über die Frequenz.
Ein Raum, dessen Hochton extrem schnell abklingt, dessen Bass aber noch lange weitersteht, klingt trotz eines scheinbar vernünftigen Mittelwertes nicht ausgewogen.
Zeitverhalten – der Frequenzgang erzählt nicht die ganze Geschichte
Ein Frequenzgang ist wichtig. Aber er zeigt nur einen Teil dessen, was akustisch passiert.
Zwei Systeme können am Hörplatz einen ähnlichen Frequenzgang besitzen und trotzdem deutlich unterschiedlich klingen, wenn Frequenzen unterschiedlich lange ausschwingen.
Deshalb betrachten wir bei einer weitergehenden Analyse auch den Zeitbereich.
Wasserfalldiagramm und Spektrogramm
Ein Wasserfalldiagramm beziehungsweise Spektrogramm zeigt, wie sich einzelne Frequenzbereiche über die Zeit abbauen.
Dadurch werden lang nachschwingende Bassresonanzen sehr deutlich sichtbar.
Ein relativ kleiner Frequenzgang-Peak kann klanglich problematischer sein als eine größere Überhöhung, wenn die betreffende Frequenz sehr lange im Raum stehen bleibt.
Impulsantwort und ETC
Die Impulsantwort und daraus abgeleitete Darstellungen wie die Energy-Time-Curve helfen dabei, Direktschall und nachfolgende Reflexionen zeitlich zu untersuchen.
So lässt sich erkennen, ob wenige Millisekunden nach dem Direktschall starke Reflexionen auftreten und aus welcher Richtung sie wahrscheinlich stammen.
Damit wird aus „Hier könnte vielleicht ein Absorber hin“ eine nachvollziehbare akustische Maßnahme.
Symmetrie – für Stereo wichtiger als manche glauben
Stereo funktioniert über kleinste Pegel- und Laufzeitunterschiede zwischen den beiden Kanälen.
Eine möglichst ähnliche akustische Umgebung für linken und rechten Lautsprecher ist deshalb ausgesprochen hilfreich.
Befindet sich links eine massive Wand und rechts eine große offene Fläche, entstehen unterschiedliche Reflexionsmuster. Die Folge können eine verschobene Phantommitte, veränderte Klangfarben und eine weniger stabile räumliche Abbildung sein.
Perfekte bauliche Symmetrie ist im Wohnzimmer selten möglich. Akustisch lässt sich jedoch erstaunlich viel ausgleichen.
Mehrere Subwoofer – auch im High-End-Stereo sinnvoll
Subwoofer werden im klassischen High-End-Bereich manchmal noch immer ausschließlich mit Heimkino oder besonders viel Tiefbass verbunden.
Akustisch können ein oder mehrere sauber integrierte Subwoofer jedoch einen ganz anderen Zweck erfüllen: eine gleichmäßigere Tieftonwiedergabe im Raum.
Mehrere an unterschiedlichen Positionen arbeitende Tieftonquellen regen die Raumresonanzen unterschiedlich an. Dadurch kann sich die Bassverteilung erheblich gleichmäßiger gestalten lassen.
Das Ziel ist dann nicht „mehr Bass“, sondern besserer Bass.
Voraussetzung sind allerdings:
- sinnvolle Positionierung
- korrekter Pegel
- passende Trennfrequenz
- Phasen- beziehungsweise Laufzeitanpassung
- saubere Anbindung an die Hauptlautsprecher
Ein schlecht integrierter Subwoofer macht den Bass größer. Ein gut integrierter Subwoofer macht ihn häufig unauffälliger.
DSP und digitale Raumkorrektur
Moderne Raumkorrektursysteme sind leistungsfähig und können besonders im Bassbereich sehr hilfreich sein.
In hochwertigen High End-Anlagen würden wir selbst nur das Bass-Signal durch einen DSP laufen lassen, da die Wandlung und digitale Signalbearbeitung für das Ohr nicht nur Gutes tun.
Wir betrachten einen DSP dennoch als Werkzeug – aber nicht als Ersatz für passende Komponenten oder gar gute Akustik.
Was elektronische Korrektur sehr gut kann
- modale Überhöhungen reduzieren
- Subwoofer integrieren
- Pegelunterschiede korrigieren
- Laufzeiten anpassen
- einen sinnvollen Ziel-Frequenzgang einstellen
Was ein DSP nicht wegzaubern kann
- starke destruktive Auslöschungen
- Flatterechos
- lange Nachhallzeiten
- harte frühe Reflexionen
- ungünstige Raumgeometrie
- problematisches Abstrahlverhalten eines Lautsprechers
Besonders im High-End-Bereich halten wir es deshalb für sinnvoll, zuerst die physikalischen Ursachen zu behandeln und erst anschließend elektronisch zu optimieren.
Unsere bevorzugte Reihenfolge lautet:
- geeigneten Lautsprecher für den Raum auswählen
- Lautsprecher optimal positionieren
- Hörplatz optimieren
- akustische Probleme gezielt behandeln
- gegebenenfalls Subwoofer beziehungsweise Basssystem optimieren
- anschließend DSP im Bassbereich für den Feinschliff einsetzen
Dann muss die Elektronik nicht versuchen, Probleme zu reparieren, die man vorher physikalisch besser hätte lösen können.
DSP / Raumeinmessung / Prozessoren
Linear ist nicht automatisch richtig
Eine weitere verbreitete Vorstellung lautet, dass am Hörplatz zwingend eine vollkommen waagerechte Frequenzganglinie erreicht werden müsse.
Auch das ist zu einfach.
Das Direktschallverhalten eines Lautsprechers und der resultierende Frequenzgang in einem normalen Hörraum sind nicht dasselbe. Ein leicht zu hohen Frequenzen hin fallender Verlauf kann bei hochwertigen Lautsprechern in realen Räumen vollkommen natürlich sein.
Entscheidend ist deshalb nicht, eine mathematisch perfekte Linie auf dem Bildschirm zu erzeugen.
Eine gute Zielkurve muss zum Lautsprecher, zum Abstrahlverhalten, zum Raum, zum Hörabstand und letztlich auch zum Hörer passen.
Wir optimieren eine Anlage zum Musikhören – nicht zum Anschauen ihrer Messkurve.
Wie eine seriöse Raumanalyse aussieht
Für eine hochwertige Optimierung reicht es nicht, ein Messmikrofon irgendwo auf das Sofa zu stellen und anschließend den Knopf „Auto Correction“ zu drücken.
Zunächst betrachten wir den Raum:
- Raumabmessungen und Geometrie
- Wand-, Boden- und Deckenkonstruktion
- Fenster und große Glasflächen
- Türen und offene Raumübergänge
- Möblierung
- Lautsprecherkonzept
- mögliche Lautsprecherpositionen
- mögliche Hörpositionen
Häufig können unsere Tipps am Telefon oder per E‑Mail und etwas Wille und Sachverstand ihrerseits sehr viel helfen.
Falls notwendig ist ein Service-Termin bei Ihnen zu Hause möglich:
Wir messen sinnvollerweise zunächst linken und rechten Lautsprecher getrennt. Dadurch werden Asymmetrien sichtbar, die bei einer Summenmessung teilweise verborgen bleiben können. Danach können weitere Messungen am zentralen Hörplatz und in dessen unmittelbarer Umgebung folgen.
Je nach Aufgabenstellung betrachten wir:
- Frequenzgang
- Tieftonverteilung
- Raummoden
- Ausschwingverhalten
- Impulsantwort
- frühe Reflexionen
- Nachhallverlauf
- Links-Rechts-Symmetrie
- Subwooferintegration
- Phasen- und Laufzeitverhältnisse
Erst aus der Kombination dieser Informationen ergibt sich ein sinnvolles Gesamtbild.
Messen und Hören gehören zusammen
Wir halten sehr viel von akustischen Messungen. Sie zeigen Zusammenhänge, die mit dem Ohr allein nur schwer eindeutig zuzuordnen sind.
Aber eine Messung ist kein Selbstzweck.
Sie zeigt uns, was passiert. Musikhören zeigt uns anschließend, wie relevant es ist.
Deshalb sollte jede Optimierung am Ende musikalisch überprüft werden.
Gute Testaufnahmen zeigen dabei sehr unterschiedliche Aspekte:
- Stimmen zeigen Phantommitte und Tonalität.
- Kontrabass und Bassgitarre zeigen Tonhöhe und Ausschwingen.
- Schlagzeug zeigt Dynamik und Impulsverhalten.
- Klavier deckt Resonanzen und Verfärbungen schnell auf.
- Große Orchesteraufnahmen zeigen Staffelung, Raum und Übersicht.
Flatterecho – leicht zu erkennen, leicht zu unterschätzen
Zwischen zwei gegenüberliegenden harten Flächen können schnell aufeinanderfolgende Reflexionen entstehen.
Typisch ist ein metallisches Flattern, das man bereits durch einfaches Händeklatschen im Raum hören kann.
Solche Probleme lassen sich häufig vergleichsweise einfach durch Absorption, Diffusion oder eine geeignete Strukturierung einer der beteiligten Flächen reduzieren.
Raumakustik ist nicht Schallschutz
Raumakustik und Schalldämmung werden häufig verwechselt.
Raumakustik beschäftigt sich mit dem Klang innerhalb eines Raumes.
Schallschutz soll verhindern, dass Schall den Raum verlässt oder von außen eindringt.
Ein Absorber an der Wand verbessert deshalb möglicherweise die Akustik am Hörplatz, verhindert aber nicht automatisch, dass der Nachbar den Bass hört.
Wirkungsvolle Schalldämmung erfordert meistens bauliche Maßnahmen mit Masse, Entkopplung, luftdichten Konstruktionen und teilweise erheblich größerem Aufwand.
High End im Wohnzimmer – Raumakustik darf gut aussehen
Gute Akustik bedeutet nicht, dass ein Wohnzimmer anschließend wie ein Aufnahmestudio aussehen muss.
Viele Maßnahmen lassen sich heute sehr hochwertig in die Architektur und Einrichtung integrieren:
- Akustikbilder
- stoffbespannte Wandflächen
- Holzlamellen
- Diffusoren aus Echtholz
- Deckensegel
- akustisch wirksame Einbaumöbel
- integrierte Bassabsorber
- Vorhänge und textile Flächen
Gerade im Wohnraum ist die beste Lösung häufig eine Kombination aus vorhandener Einrichtung und gezielten akustischen Maßnahmen. Gute Raumakustik muss man nicht unbedingt sehen.
Wie viel Raumakustik braucht ein guter Hörraum?
Unsere Antwort lautet: So viel wie nötig – und so wenig wie möglich.
Eine Raumakustikplanung sollte nicht das Ziel haben, möglichst viele Akustikelemente zu verkaufen.
Sie sollte die vorhandenen Probleme identifizieren und gezielt lösen.
Manchmal reicht eine veränderte Lautsprecherposition zusammen mit zwei sinnvoll platzierten Absorbern.
Manchmal bringt ein um 40 Zentimeter verschobener Hörplatz mehr als mehrere Quadratmeter Akustikmaterial.
Und manchmal benötigt ein anspruchsvoller Hörraum tatsächlich ein umfassendes Konzept aus Tieftonabsorption, Breitbandabsorbern, Diffusion, Deckenelementen und elektronischer Feinabstimmung.
Nicht die Menge der Akustikelemente ist entscheidend. Entscheidend ist, ob sie das richtige Problem lösen.
Was gute Raumakustik klanglich bewirkt
Die Verbesserung durch eine wirklich gut abgestimmte Raumakustik kann größer sein als der Wechsel mancher HiFi-Komponente.
Typische Verbesserungen sind:
- tieferer und gleichzeitig präziserer Bass
- bessere Unterscheidbarkeit einzelner Basstöne
- saubereres Ausschwingen
- höhere Impulspräzision
- natürlichere Stimmen
- stabilere Phantommitte
- präzisere Instrumentenortung
- größere Bühnenbreite
- bessere Tiefenstaffelung
- mehr Ruhe im Klangbild
- weniger Härte und Nervosität
- bessere Feindynamik
- mehr Details ohne künstliche Betonung
- bessere Loslösung der Musik von den Lautsprechern
Besonders faszinierend ist dabei, dass eine gute Raumakustik die Wiedergabe häufig gleichzeitig präziser und entspannter macht.
Feine Informationen müssen sich nicht mehr gegen unnötige Reflexionen und Resonanzen durchsetzen. Dadurch hört man mehr – obwohl der Klang subjektiv ruhiger wird.
Der Raum ist wahrscheinlich die größte Komponente Ihrer Anlage
Ein hervorragender Lautsprecher in einem problematischen Raum kann weit unter seinen Möglichkeiten bleiben.
Umgekehrt kann eine vernünftig zusammengestellte Anlage mit guter Aufstellung und guter Raumakustik erstaunlich weit über ihre Preisklasse hinausspielen.
Genau deshalb betrachten wir Raumakustik nicht als Zubehörthema, sondern als Bestandteil einer hochwertigen HiFi-Anlage.
Wer 20.000, 50.000 oder 100.000 Euro in eine Anlage investiert, sollte nicht ausgerechnet das größte Bauteil der gesamten Wiedergabekette ignorieren: den Raum.

High End Raumakustik bei ART&VOICE
ART&VOICE beschäftigt sich seit 1989 mit hochwertiger Musikwiedergabe, Lautsprechern, Elektronik, Installation und akustischer Optimierung.
Für uns entsteht eine wirklich gute Anlage nicht durch eine Ansammlung möglichst teurer Geräte. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Lautsprecher, Verstärker, Quelle, Aufstellung, Hörplatz und Raum.
Deshalb betrachten wir bei anspruchsvollen Anlagen das gesamte System.
Auf Wunsch unterstützen wir Sie bei der akustischen Optimierung von:
- Wohnräumen
- Musikzimmern
- High-End-Hörräumen
- Heimkinos
- Neu- und Umbauten
Je nach Aufgabenstellung beschäftigen wir uns mit Lautsprecher- und Hörplatzposition, Raumgeometrie, Bassverhalten, Reflexionen, akustischen Messungen sowie der sinnvollen Auswahl und Positionierung von Absorbern, Diffusoren, Bassmaßnahmen und gegebenenfalls elektronischer Korrektur.
Dabei interessiert uns nicht, wie spektakulär eine Akustiklösung auf einem Prospekt aussieht.
Uns interessiert, wie gut anschließend Musik spielt.
Und bevor man den nächsten Verstärker für 10.000 oder 20.000 Euro austauscht, lohnt es sich gelegentlich herauszufinden, was der vorhandene Verstärker in einem wirklich guten Raum überhaupt kann.
Keine Sorge: Ein guter Hörraum muss weder nach Tonstudio noch nach Eierkarton aussehen. Im Idealfall sieht man die Raumakustik kaum.
Man hört sie.



















