
Soulnote A-0 Test: 10 Watt, keine Fernbedienung – echter High-End-Verstärker Geheimtipp?
Soulnote A-0 Vers.2 anders als Andere
Heutzutage einen Verstärker für rund 2.500 € auf den Markt zu bringen, der mit 10 Watt Leistung protzt und komplett ohne Fernbedienung auskommt, wirkt auf den ersten Blick fast schon provokant. Ein integriertes Phonoteil? Fehlanzeige. Digitale Eingänge? Ebenfalls nicht vorhanden. Streaming? Haben wir gelacht. – dieser bewusste Verzicht zieht sich durch das gesamte Konzept des Geräts.
Statt auf Funktionsvielfalt setzt der Soulnote A-0 Integrated Amplifier konsequent auf Reduktion und eine kompromisslose Klangphilosophie. Doch kann ein derart minimalistischer Ansatz im heutigen High-End-Markt wirklich überzeugen – oder ist das Konzept nur mutig, aber praxisfern?
Kurzroman Solulnote A-0 V2:
Gestern Abend habe ich den "kleinen" Soulnote ausgepackt und zum Einspielen flink lieblos auf der neuen Unison Endstufe platziert und im halbdunklen Studio an die Audio Physic Midex und den klangpotenten Aurender A15 angeklemmt. Selbstverständlich mit unseren berüchtigten, selbstgehäkelten Silberkabeln.
Da ich bei neuen Gerätschaften solcher Hersteller immer noch so neugierig wie ein kleines Kind unterm Weihnachtsbaum bin, musste ich nach einigen Minuten Warmlaufzeit natürlich ein Öhrchen vom japanischen Verstärker nehmen.
Erst Hans Theesink, dann etwas Mercedes Sosa, naja, nicht schlecht, aber aufgrund der technischen Schaltungen und des aufwändigen Aufbaus des Soulnote hätte ich mehr Präzision und Details erwartet. Der muss noch einspielen, dachte ich mir, und die Midex braucht vielleicht auch mehr Leistung, also ließ ich ihn über Nacht laufen...
Next day: Soulnote A-0 V2 listening
Heute sollte Kato's, nun warmgelaufener, Wunderverstärker zeigen, was er kann.
Wieder: Mercedes Sosa's Engelsgesang mit Kirchenchor, dann den Hans mit seinen Musikanten und zum Dynamikcheck etwas Seguridad Social HiFi-Punk.
Nicht schlecht, aber nicht der Verstärker-Geheimtipp, den ich eigentlich erwartet habe.
Schön audiophil, aber alles etwas Wischiwaschi mit zu schlaffem Bass.
Als ich die japanische Enttäuschung wegräumen wollte, sah ich, dass das XLR-Kabel in der Unison Research Vorstufe steckte und nicht korrekt im Aurender Digitalisten. Herrje, ich werde dieses Jahr 60, das kann ja mal passieren. ;-)
Also alles korrekt verkabelt, noch die Netzphase ausgemessen und zum richtigen A-0 Hörtest.
Mercedes Sosa (Misa Criolla)..
Zur Beruhigung einen Kaffe aus der Küche geholt..
Hans Theesink (Johny and the Devil)...
Pause zum Atmen...
Seguridad Social (Wish you Were Here)...
Aufgestanden und etwas mehr Pegel...
Nochmal aufgestanden und etwas lauter gedreht, ich will mehr!!
Beim dritten "Lautermachen" war dann leider die 10 Watt-Grenze erreicht.
Warum sage ich leider?
Nun, der Null-Soulnote zaubert einen erwachsenen und holografischen Klang mit feinster Auflösung und Mikrodynamik, den nur ganz wenige Verstärker, unabhängig vom Preis, hinbekommen. Dazu einen erstaunlich konturierten und tiefen Bass, den ich einem so leistungsschwachen Verstärker niemals zugetraut hätte. All dieses in Verbindung mit dem harmonischen Gesamttenor verleitet mich bei manchen Aufnahmen durchaus zu höheren Hör-und Grinse-Pegeln. Aber es gibt physikalische Grenzen, wir reden hier über Soulnote's kleinsten Verstärker.
Weiter durch die Playlisten mit unterschiedlichsten Musikrichtungen:
Der Klang wirkt offen, schnell und bemerkenswert frei von jeder technischen Schwere. Nichts haftet, nichts bremst – die Musik scheint sich mühelos von den Lautsprechern zu lösen. Stimmen stehen plastisch im Raum, während sich Instrumente selbstverständlich von den Lautsprechern lösen und ihren eigenen Platz einnehmen. Selbst in dichten Arrangements bleibt die Struktur erhalten, nichts verschwimmt, nichts kippt ins Unruhige. Es entsteht nie der Eindruck, dass hier ein Verstärker „arbeitet“ – eher, dass er bewusst aus dem Weg geht.
Im Mittelton entfaltet der A-0 seine eigentliche Stärke. Hier passiert etwas, das sich schwer in klassische HiFi-Kategorien fassen lässt: eine Form von Natürlichkeit, die weniger analysiert als vermittelt. Details sind da – reichlich sogar –, aber sie drängen sich nicht auf, sondern fügen sich organisch ins Gesamtbild ein. Das Klangbild wirkt geschlossen, ruhig und gleichzeitig lebendig, mit einer Selbstverständlichkeit, an die man sich schnell gewöhnt und schnell vermisst, wenn sie fehlt. Kein pseudo-audiophiles Zingeling, kein wummeriger "Vintage-Sound", Musik pur - harmonisch, greifbar und echt - ähnlich habe ich es mit Katos A-3 Verstärker-Boliden erlebt, der ebenfalls kein Kraftprotz ist.
Leider bleibt es dabei, dass Partylautstärken mit Soulnote-Sound den Besserverdienern und Erben vorbehalten bleibt. Aber dass leistungsärmere Verstärkerschaltungen klanglich meist deutlich potenter sind, ist ja kein Geheimnis.
Was die 2 x 10 Watt des kleinsten Kato-Verstärkers jedoch an musikalischem Erlebnis bieten, ist in dieser Preisliga wohl einzigartig. Gänsehaut pur und doch, der kann auch Bass!

Preiswertes Ultra-High-End für Puristen - Vollverstärker - Vorverstärker - Kopfhörerverstärker
Die Ausstattung des A-0 ist nichts für Feature-Fans und Zahlenfetischisten.
Aber genau betrachtet, für echte High End Setups auch nicht von schlechten Eltern:
Der Soulnote verfügt über zwei symmetrische XLR-Eingänge, hat einen hervorragenden Kopfhörerausgang (10 Minuten mit dem Meze Empyrean waren ein echtes Erlebnis) und ist als Vorverstärker incl. symmetrischer Ausgänge einsetzbar. Die fehlende Lautstärke-Fernbedienung ist tatsächlich schade, aber angesichts der überragenden Klangperformance sicher verschmerzbar. Sich regen, bringt Segen ;-)
Mein Fazit nach ca. fünf Soulnote A-0-Stunden:
Wenn es um echten Klang und Musikerleben geht und hohe Lautstärken oder harte Technobeats unwichtig sind, ist der Soulnote A-0 mein neuer High End Verstärker-Geheimtipp in seiner Klasse. Nichts für Rocker und Popper, aber für Musikliebhaber mit begrenztem Budget ein Knaller. Im passenden Setup spielt er wirklich atemberaubend und kann allerhöchste Ansprüche erfüllen. Hier sind die Quellgeräte und Lautsprecher die limitierenden Komponenten. Vergleichbare Performance ist woanders, wenn überhaupt, nur deutlich teurer zu finden. Die Verarbeitung und Anfassqualität ist wie gewohnt: japanisch perfekt.
Ein echter Art&Voice-Klangtipp!
Möchten Sie die 10 wunderbaren Soulnote-Watt bei uns im Studio oder zu Hause erleben?
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Audiophile Grüße
J.Erwin
A&V-Team
Für die Technik-Freaks weitere Informationen zum Soulnote A-0 Vers. 2
Die Schaltung des Soulnote A-0 V2 folgt keiner typischen HiFi-Norm, sondern einer bewusst radikal puristischen Designidee. Im Zentrum steht eine vollständig diskret aufgebaute Verstärkerschaltung ohne globale Gegenkopplung (Non-NFB) – ein Ansatz, bei dem auf klassische Korrekturmechanismen bewusst verzichtet wird.
Der Aufbau ist konsequent reduziert: Eingangswahl und Lautstärkeregelung sind direkt mit der Endverstärkersektion gekoppelt, sodass das Audiosignal einen besonders kurzen und unmittelbaren Weg durch die Schaltung nimmt.
In der Ausgangsstufe kommt eine vierstufige Darlington-Konfiguration zum Einsatz. Diese Architektur wird auch in höher positionierten Modellen verwendet und dient einer stabilen Ansteuerung der Leistungstransistoren sowie einer kontrollierten Signalverarbeitung.
Ein zentrales Element der Weiterentwicklung im A-0 Vers. 2 ist die neu entwickelte Bias-Schaltung. Sie ersetzt die bisherige Lösung und ist integraler Bestandteil des Gesamtkonzepts der Verstärkerstufe.
Die vergleichsweise geringe Ausgangsleistung von 2 × 10 Watt ist bewusst gewählt und Teil der grundlegenden Auslegung. Der Verstärker ist darauf optimiert, im praxisrelevanten Leistungsbereich stabil und kontrolliert zu arbeiten, anstatt maximale Leistungsreserven bereitzustellen.
Das Ergebnis ist weniger eine klassische „Feature-orientierte“ Verstärkerlösung, sondern ein konsequent auf Reduktion ausgelegtes Konzept, bei dem Signalweg, Schaltungstopologie und Bauteilauswahl strikt aufeinander abgestimmt sind. Beim Soulnote A-0 wird schnell klar, dass „Feature-Liste“ hier anders definiert ist als bei vielen anderen Verstärkern. Statt auf zusätzliche Funktionen zu setzen, liegt der Fokus auf einer gezielten Auswahl und Abstimmung der verwendeten Komponenten.
Das Gehäuse ist mechanisch bewusst so konstruiert, dass Resonanzen nicht einfach unterdrückt, sondern kontrolliert abgeleitet werden. Dieser Ansatz folgt der generellen Designphilosophie von Soulnote und ist Teil des Gesamtkonzepts.
Ein Detail, das dabei eine wichtige Rolle spielt, sind die Gerätefüße. Statt weich entkoppelnder Elemente setzt Soulnote auf eine harte, punktuelle Ankopplung an die Stellfläche. Ziel ist es, mechanische Energie möglichst direkt abzuleiten, anstatt sie im System zu speichern.
In der Praxis bedeutet das: Die Wahl der Stellfläche wird Teil der klanglichen Gesamtabstimmung.
Im Inneren dominiert eine vollständig diskrete Bestückung mit selektierten Bauteilen. Die Schaltung ist konsequent analog aufgebaut und auf einen möglichst direkten Signalfluss ausgelegt. Die Stromversorgung ist darauf ausgelegt, stabile Betriebsbedingungen und eine zuverlässige Versorgung der Verstärkerstufe sicherzustellen.
Der Soulnote A-0 wirkt damit weniger wie ein klassisches Funktionsgerät, sondern wie ein konsequent reduziertes Verstärkerkonzept, bei dem jede konstruktive Entscheidung einem klar definierten Ziel folgt.
Auch auf dem Papier zeigt sich dieser Ansatz: Die technischen Daten sind nicht auf maximale Leistungswerte ausgelegt, sondern auf Stabilität und Bandbreite im relevanten Hörbereich.
Die Ausgangsleistung beträgt 2 × 10 Watt an 8 Ohm, während der integrierte Kopfhörerverstärker bis zu 2 × 3,0 Watt an 32 Ohm liefert. Der Frequenzgang reicht von 5 Hz bis 350 kHz, der Klirrfaktor liegt bei etwa 0,2 % (bei 3,3 Watt an 8 Ohm), und der Signal-Rausch-Abstand beträgt 115 dB.
Anschlussseitig stehen zwei symmetrische XLR- sowie zwei unsymmetrische Cinch-Eingänge zur Verfügung.
Ein unterschätzter Aspekt des Soulnote A-0 Vers. 2 ist seine integrierte Vorverstärkersektion. Diese ist nicht als einfache Zusatzfunktion ausgeführt, sondern folgt derselben konsequent reduzierten Architektur wie der gesamte Verstärker. Auch hier bleibt der Signalweg kurz und direkt, ohne zusätzliche Pufferstufen oder komplexe Schaltungselemente.
Der Pre-Out steht sowohl symmetrisch (XLR) als auch unsymmetrisch (Cinch) zur Verfügung und ist in zwei Pegelstufen (High/Low) schaltbar. Dadurch lässt sich der A-0 flexibel in unterschiedlichste Ketten integrieren – etwa als Vorstufe für externe Endstufen oder Aktivlautsprecher. Die Pegelanpassung ermöglicht eine saubere Abstimmung auf die nachfolgende Verstärkersektion, ohne unnötige Signalverstärkung oder Dämpfung.
Wichtig dabei: Die Vorstufe ist kein „abgekoppelter Zusatz“, sondern direkt in die Gesamtarchitektur eingebunden. Das bedeutet, dass die klanglichen Eigenschaften des A-0 – insbesondere die unmittelbare Signalführung – auch im Pre-Out-Betrieb erhalten bleiben.
Besonders hervorzuheben ist der integrierte Kopfhörerausgang. Statt einer einfachen Nebenlösung setzt Soulnote hier auf eine leistungsfähige, eigenständige Auslegung. Mit bis zu 2 × 3,0 Watt an 32 Ohm steht deutlich mehr Leistung zur Verfügung als bei typischen integrierten Kopfhörerverstärkern.
Diese hohe Ausgangsleistung erlaubt es, auch anspruchsvolle Kopfhörer kontrolliert anzutreiben – nicht nur in Bezug auf Lautstärke, sondern vor allem hinsichtlich Dynamik und Stabilität. Gleichzeitig bleibt der Verstärker im praktischen Einsatzbereich souverän und verzerrungsarm.
Der Kopfhörerausgang ist damit nicht als Komfortfunktion zu verstehen, sondern als ernstzunehmende Alternative zu dedizierten Kopfhörerverstärkern – eingebettet in die gleiche puristische Gesamtarchitektur wie der restliche Verstärker.
Mit Abmessungen von 430 × 109 × 418 mm und einem Gewicht von rund 8 kg bleibt der Soulnote A-0 kompakt. Die technische Auslegung folgt dabei konsequent dem Prinzip der Reduktion: weniger Fokus auf Leistung und Ausstattung, mehr Fokus auf Signalführung und Stabilität im praktischen Einsatzbereich.
Typisch Kato, typisch Soulnote.
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